Regeln für das Fahren in der Gruppe (Fahren im Konvoi)
Bereits zwei gelten beim Motorradfahren als Gruppe, und dabei ist es völlig egal, ob du mit einem oder mehreren anderen Fahrern eine Tour fährst oder irgendwo unterwegs
zufälligerweise hinter anderen Bikern zu fahren kommst.
Im Konvoi zu fahren, wird oft unterschätzt, dabei ist es sehr gefährlich! Die
Abstände zum Vordermann sind oft geringer als normal und das Fahren in der Gruppe gaukelt Sicherheit vor, die zum unaufmerksamen Fahren, ja sogar zum Träumen
verleitet.
Möglicherweise hat man vor sich Motorräder, deren Schadstoffauswurf hoch ist, was die Konzentration ebenfalls trüben kann!
Umgekehrt sollte kein Konvoi-Fahrer effektvolles "Brumm Brumm" (besonders in Ortschaften sehr beliebt) praktizieren, denn der Hintermann frisst den Dreck, der aus dem Auspuff
kommt!
Speziell in größeren Gruppen, deren Teilnehmer einander nicht kennen, weiß man nicht über die Konstitution, Fahrpraxis und
Fahrweise sowie den Zustand des Motorrads der anderen Teilnehmer Bescheid. Müdigkeit, Über- aber auch Unterforderung können zu überraschenden Fahrfehlern führen, die verhängnisvoll werden
können.
Wheelies, Burnouts und ähnliche "Kunststückerln" haben in einem Konvoi nichts verloren! Derartige Präsentationen eines Egotrips sind gefährlich und beim Reifenzerstörer fressen die Hintermänner ungefragt den Dreck.
Vor der Abfahrt
> die Teilnehmer über die geplante Strecke, Pausen- und Tankstopps Bescheidgeben sowie diverse Zeichen ausmachen und über die Fahrregeln im Konvoi informieren.
> Tankinhalte und (sofern nicht bekannt) dezent Fahrkönnen- und Fahrpraxis erfragen (siehe "Der Schwächere zuerst").
Vor der Abfahrt bzw. an dafür geeigneten Punkten
Abermals den
Tankpegel der Teilnehmer abfragen - so können Tankstopps gut eingeplant werden. Natürlich muss auch jeder Teilnehmer selbst seinen Tankinhalt im Auge behalten und sollte ca. 80 - 100 km vor
dem Umschalten auf Reserve dem Tourenleiter Bescheid geben.
Ist ein Ausscheiden aus dem Konvoi vorhersehbar (z.B. unterwegs nach Hause
abbiegen o.ä.), gibt der Ausscheidende dem Tourenführer und dem "Schlusslicht" zeitgerecht Bescheid. Es empfiehlt sich, dass er den Platz vor dem Schlusslicht einnimmt, da ihm ev. sonst der
uninformierte Rest des Konvois beim Abbiegen folgt.
Der "Schwächere" zuerst
Als erster in der Gruppe fährt der Schwächste - sei es wegen der kleineren Anzahl
von PS oder wegen geringerer Fahrerfahrung. So ist keiner gezwungen, gefährliche oder motorbelastende Aufholjagden machen zu müssen oder verloren zu gehen.
Allerdings hat derjenige in der Pole-Position auf vieles zu achten: Auf den Weg,
auf Geschwindigkeitsbegrenzungen und andere Gefahren, die zur Reduzierung des Tempos zwingen. Das kann einen Anfänger überfordern. In diesem Fall sollte ein Biker vor ihm fahren, der sich dem
Tempo des Schwächeren anpaßt und ihm die Arbeit des Schilderlesens abnimmt.
Die Position in der Gruppe, die bei der Abfahrt eingenommen wird, ist bis zum
nächsten Stop beizubehalten. Klartext: Vorfahren gibts nicht! Der Vordermann muß
sich darauf verlassen können, dass der hinter ihm auch hinter ihm bleibt.
Positionswechsel in der Kleingruppe
Trotzdem kann ein Positionswechsel notwendig werden. Diesen vorher abzusprechen
ist die beste Lösung. Manchmal fährt Biker A ein Stück als erster, z. B. weil er sich in der Gegend besser auskennt. Auf der Autobahn soll dann Biker B die Führung übernehmen. Wenn es soweit
ist, fährt Biker A äußerst rechts, verringert ein bißchen das Tempo und gibt Biker B das ausgemachte Zeichen mit der Linken. Damit ist gesichert, daß Biker B gefahrlos an Biker A vorbeiziehen
kann.
Auch der Hintermann kann gewisse Bedürfnisse verspüren und einen Zwischenstopp
einlegen wollen. Dazu haben wir zwei Lösungen gefunden. Entweder überholt Biker A auf der Überholspur und übernimmt die Führung, um bei nächster Gelegenheit anzuhalten. Oder er hupt (worauf
Biker B in den Rückspiegel schaut) und er blinkt rechts - natürlich nur dann, wenn es die Verkehrssituation erlaubt, er keinen anderen Verkehrsteilnehmer damit verwirrt und er ein Fleckchen
zum Stehenbleiben im Blickfeld hat.
Sammeln oder Pause?
Um dem Konvoi anzuzeigen, ob es sich nur um ein kurzes Anhalten am Straßenrand
oder eine tatsächlich geplante Pause handelt, sollte ein Zeichen (z.B. Helmabnahme des Tourenführers) vereinbart werden. Ein kurzes Anhalten (z.B. um eine nachhängende Gruppe aufschließen zu
lassen) kann sonst durch Mißdeutung zu einer zeitfressenden Tourenunterbrechung ausarten (trinken, essen, Baum- oder Busch-Gang, Zigarette, ...).
Versetzt fahren
Auf der geraden Bundesstraße und auf der Autobahn ist versetzt fahren angesagt.
Dadurch sieht der Vordermann den Biker hinter ihm besser im Rückspiegel. Der Blick des hinteren Fahrers ist frei auf die Fahrbahn vor ihm und auf eventuelle Gefahrenquellen. Bei einer
(Not)bremsung kommt man - soferne beide die Spur halten können - u.U. nebeneinander zu stehen.
Das abwechselnd links und rechts um ca. Helm- bis Schulterbreite versetzte Fahren
ermöglicht auch jedem einzelnen, einer unguten Stelle (z.B. einem Schlagloch, Kanaldeckel oder totem Tier) auszuweichen. Beim Nebeneinanderfahren ist das kaum
möglich!
Beim exakten Hintereinanderfahren ist die Gefahr groß, dass du einerseits im
toten Winkel des Vorderen verschwindest, andererseits deinem Vordermann bei einer plötzlichen Bremsung auffährst. Dein Blick bohrt sich in seine Rückfront, diese wird größer und größer und
zieht dich magisch an. Und wohin man schaut, dort fährt man auch hin!
In Kurven wird die versetzte Fahrweise aufgegeben und der
Abstand vergrößert.
Es ist keinesfalls zulässig, dass drei
Motorradfahrer versetzt nebeneinander fahren und hierbei die gesamte Breite eines Fahrstreifens in Anspruch nehmen. Auch die beiden auf dem Bild fahren zu weit versetzt, da der
Vordermann keinesfalls den Sicherheitsabstand zum rechten Fahrbahnrand einhält und es hier auch zu Schwierigkeiten mit der Exekutive kommen könnte.
Schließen einer Lücke (Variante 1)
Verlässt ein Motorradfahrer den Konvoi,
gibt es zwei Varianten, um die Lücke zu schließen
(wir bevorzugen die nebenstehende Variante Nr.
2!):
Variante 1)
Die Reihe, in der die Lücke entsteht, schließt nach vorne auf.
Gefahr:
Bei diesem "Überholvorgang in der eigenen Fahrspur" hat der Überholt-Werdende keinen Platz, um einer Gefahr (z.B. einer sich öffnenden Autotüre oder einem Straßenschaden) auszuweichen!
Schließen einer Lücke (Variante 2)
Variante 2)
Die Lücke wird nur durch
Seitenwechsel
bei gleichbleibender Position
in der Gruppe geschlossen.
Der seitliche Sicherheitsabstand
bleibt auf diese Art erhalten,
was besonders bei
höheren Geschwindigkeiten
und/oder Gegenverkehr
wichtig ist.
Bei den meisten
Gruppenausfahrten wird diese Variante
bevorzugt.
Der Ziehharmonikaeffekt
Beim Fahren im Konvoi kommt es schnell zum Ziehharmonikaeffekt. Im Konvoi
empfiehlt sich Im Ortsgebiet eine Geschwindigkeit der Fahrer an der Spitze von 40 km/h, außerorts kann bei einem Tross von 20 Motorradfahrern der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Spitze
und Schlusslicht bereits gute 20 km/h ausmachen.
Beim Anhalten an Kreuzungen sollte so dicht als möglich in Zweierreihe
aufgeschlossen werden, um bei der Weiterfahrt (wieder versetzt) so vielen als möglich die Überquerung der Kreuzung zu ermöglichen.
Und weg war er!
Oft genug ist es schon passiert, daß einer aus der Gruppe (oder gar ein Teil der
Gruppe) verschwunden ist, weil falsch abgebogen wurde.
Um das zu
verhindern, gibt es ein paar einfache Spielregeln:
An einer Kreuzung, an der abgebogen wird oder wo die Situation unklar ist, wartet der Vordermann so lange, bis sein(e) Nachfolger eingetroffen ist (sind).
Während der Fahrt
kann immer wieder Unvorhergesehenes passieren (Insekt im Helm, technischer Schaden, dringendes menschliches Bedürfnis
etc.). Auch für solche Fälle sollte ein Zeichen vereinbart werden, das derjenige der plötzlich den Konvoi verlässt (so noch möglich) den anderen gibt und die hinter ihm Nachfahrenden warnt.
Das Schlusslicht hält ebenfalls an und erfragt dann, was los ist und geleitet, wenn nötig, den Ausgeschiedenen nach Behebung etwaiger Mängel zur Gruppe
zurück.
Blinken
Auch wenn sich der Tross gemeinschaftlich durch die Landschaft bewegt und jeder
meist ohnehin deutlich sieht, wohin er abbiegt, ist der Blinker das wichtigste Kommunikationsmittel, das vom Hintermann beachtet werden muss (z.B. beim Überholen, bei Straßenschäden oder dem
Schwenk vor dem zerfledderten Fasan). Nach dem Richtungswechsel nicht vergessen, den Blinker wieder abzustellen!
Drängler und Ungeduldige
Immer wieder gibt es andere Verkehrsteilnehmer, die das Bild eines an ihnen
vorbeifahrenden Motorrad-Konvois nicht genießen können, sondern sich stur hineindrängen. Es empfiehlt sich, diese Ungeduldigen in den Konvoi bzw. überholen zu lassen und ihnen beim Einordnen den nötigen Platz zu verschaffen. Ein "Straßenkampf" könnte für die Gruppe fatal
enden!
Abgesicherte Touren
Bei manchen Konvoi-Fahrten werden die Kreuzungen durch Motorradfahrer aus den eigenen Reihen (in Leuchtfarbe bekleidet oder
nicht) abgesperrt, um dem Konvoi eine geschlossene Durchfahrt zu ermöglichen. Diese
"private" Sperre hat keinerlei rechtliche Grundlage. Die Konvoi-Fahrer müssen
damit rechnen, dass sich dennoch ein Ungeduldiger an der absperrenden Person vorbeidrängt und auf seinen Vorrang beharrt.
Zur
Absperrung von Straßen ist ausschließlich die Exekutive im Dienst berechtigt!
Jeder ist selbst verantwortlich
Ampeln, die auf gelb springen, oder Verkehrsteilnehmer, die sich zwischen die
Biker drängen, teilen oft eine Gruppe. Anhalten ist angesagt! Die, die es noch bei Grün geschafft haben, warten bei nächster Gelegenheit oder lassen an einer günstigen Stelle die Drängler
vorbei. Auf diese Art erledigen sich riskante Überholmanöver der hinteren Fahrer, um den Anschlusswiederzufinden, von selbst.
Quelle: www.bikerwelt.at
Gerd Frömmel und seine Honda F6C Valkyrie GL1500





















