TIPPS ZUR VORBEREITUNG AUF DIE WINTERPAUSE ODER LÄNGERE STILLLEGUNG (Unabhängig von Fabrikat und Type)
Die Bikersaison ist vorbei - oder möchtest Du Dein
Motorrad aus anderen Gründen für längere Zeit stilllegen?
Nachstehend einige Tipps dazu. Es ist nicht viel Aufwand, kann aber ein "böses Erwachen" und teure Instandsetzungsarbeiten verhindern.
Waschen, Lackpflege, Chrom- und Edelstahlpolitur, Kunststoffpflege - vor dem Einwintern
ü Komplettreinigung
Blechteile oxidieren weniger, wenn sie sauber sind und kein Schmutz daran klebt. Insektenreste können den Lack, Chrom und Kunststoffteile angreifen. Es kann ruhig mit Spezialreiniger und Hochdruckreiniger gearbeitet werden. Achte jedoch auf die Elektronikteile. Die haben es nicht gern, wenn sie geflutet werden. Daß das Motorrad in trockenem Zustand eingewintert werden soll versteht sich von selbst. Dazu nach der Wäsche am besten noch einige Kilometer fahren, um durch den Fahrtwind und der Motorwärme die Restfeuchtigkeit aus allen Ritzen zu vertreiben.
Für die Reinigung von Kunststoff-, Acryl-, Leder- und Kunstleder teilen habe
ich HIER einige Tipps zusammengefasst.
ü Roststellen entdeckt?
Nach der vollständigen Reinigung kontrolliere den Zustand der Blechteile auf Rost, Rostansätze, Lackschäden. Solche Stellen sind unbedingt vor einer längeren Stilllegung zu beheben. Lege besonderes Augenmerk auf den Rahmen (Unterseite, Schweißstellen). Alles OK?
ü Kardan fetten, Kette schmieren
Bei einem Kardan an sämtlichen Schmiernippeln 1 - 2 Fettstösse. Zum Teil finden sich auch am Fahrwerk noch Schmiernippel. Diese nicht vergessen.
Kettenantrieb: Ein spezieller
Kettenreiniger löst das eingetrocknete Fett - und damit auch eingebundenen Sand und Staub. Die Kette anschliessend besonders gründlich wieder einfetten, sonst ist sie bis zum Frühjahr
garantiert rostbraun.
ü Ölwechsel
Ölwechsel vor oder nach einer längeren Stilllegung?
Ist das Motoröl noch "frisch" braucht es vor der Winterpause oder einer längeren Stilllegung nicht unbedingt gewechselt zu werden.
Dagegen sollte altes, verbrauchtes Motoröl gewechselt werden, da dieses durch Ablagerungen aggressiv auf Dichtungen und den Motorinnneraum einwirken kann.
Ein Motorölwechsel ist einfach durchzuführen. Motor warm laufen lassen, dadurch wird das Öl flüssiger. Beim Ölwechsel den Ölfilter mitsamt Dichtung und die Dichtung an der Ölablaßschraube nicht vergessen.
Weitere Informationen über das Motoröl und wie man richtig wechselt findest Du HIER.
Schmieren eines Bowdenzuges
ü Brennraum schmieren
Zündkerze(n) ausbauen und einigeTropfen Öl in den Brennraum geben, danach
die Kurbelwelle zwei- bis dreimal drehen, um das Öl zu verteilen.
Bei dieser Gelegenheit kannst Du auch mal das Erscheinungsbild der Zündkerzen näher betrachten. KLICK hier und Du erfährst alles, was der optische Zustand
der Zündkerzen verrät.
ü Bowdenzüge schmieren
Einige Tropfen eines leichten Öls in die Kabelzüge geben, damit die Kabel nicht festsitzen
können. Nicht nötig bei hydraulischer Kupplung.
Eine gute Hilfe ist der Bowdenzugöler (siehe Foto links), den es im Motorradfachhandel zu kaufen gibt.
ü Vergaser entleeren
Vergaser entleeren, damit die Düsen und
benzinführenden Leitungen nicht verstopfen und die Nadeln nicht festsitzen können. Der Start im nächsten Frühjahr oder nach längerem Stillstand sollte kein Problem darstellen (siehe auch
Hinweis unter "Stahltanks / Kunststofftanks" etwas weiter unten)
Hydraulikheber mit Adapterplatte für Honda F6C Valkyrie
ü Reifen, Federn und Stoßdämpfer entlasten
Wenn möglich auf den Zentralständer
(Hauptständer) stellen. Damit wird verhindert, dass sich „Platten“ am Reifen bilden können. Eine andere Möglichkeit ist, den Reifendruck etwas zu erhöhen (Achtung: Sollte vor der ersten
Fahrt wieder abgelassen werden), oder das Motorrad wöchentlich umparken.
Apropos Reifen: Weißt Du eigentlich über Deine Reifen Bescheid? Was bedeuten die Bezeichnungen? Wie alt sind Deine Pneus schon? HIER findest Du die wichtigsten Informationen dazu.
Auch Deine Federn und Stoßdämpfer werden es Dir mit längerer Funktionsdauer danken, wenn Du sie über die Stilllegungszeit entlastest. Ideal ist das Aufbocken z. B. mit einem Hydraulikheber (siehe Foto rechts). Dies ist besonders bei schweren Maschinen ratsam. Für die verschiedenen Motorradmodelle gibt es Adapter für die Hydraulikheber, um ein sicheres Anheben zu gewährleisten. Keinesfalls dürfen Motorräder an beweglichen Teilen (wie z. B. Kardan) angehoben werden.
Das Aufbocken auf Kanthölzern, Holzkisten usw. ist nicht zu empfehlen
(Kippgefahr durch Ungleichgewicht, Motorunterseite ist speziell bei schwereren Maschinen nicht stark genug).
ü Stahltanks / Kunststofftanks
Das Volltanken von Stahltanks verhindert die Korrosion der Tankinnenseite und der Fälze. Bei der Gelegenheit kann man dem Benzin noch einen Zusatz beimischen, welcher der Korrosion im Treibstoffsystem vorbeugt und
dem Altern des Benzins entgegenwirkt. Anschließend Benzinleitung, Kraftstofffilter und Vergaser entleeren, um ein Verharzen der Düsen zu vermeiden. Dazu den Motor bei geschlossenem Benzinhahn
bis zum „Absterben“ laufen lassen.
Kraftstofftanks aus
Kunststoff am besten
entleeren.
Bordsteckdose unter dem Tank zum Aufladen der Batterie oder elektrischer Verbraucher
ü Batterie ausbauen? Ja oder nein?
Batterien lieben keine Kälte, bei Zimmertemperatur lagern. Vor allem wenn sie nicht regelmässig geladen werden, können sie irreparablen Schaden nehmen. Bei modernen Motorrädern können durch den Ausbau Daten der Elektronik verlorengehen. Batterien sollten alle 2 Monate nachgeladen werden.
Grundsätzlich sollten alle Motorradbatterien während des monatelangen Stillstands ausgebaut werden, eine Ausnahme bilden wartungsfreie Batterien.
Wartungsfreie Batterien (diese sind versiegelt und haben keine Einfüllstopfen) können auch bei längerem Stillstand (frostfrei!) am Motorrad verbleiben, sofern die Möglichkeit des Nachladens besteht, z. B. über
eine Euro Steckdose (siehe Foto), leicht erreichbare Batteriepole, fix verlegter Kabeladapter zu den Batteriepolen usw.
Moderne Batterieladegeräte können während des Stillstands ständig an der Batterie angeschlossen bleiben, da sie den Batteriezustand regelmäßig überprüfen, gegebenenfalls nachladen bzw. auf
Erhaltungsladung umschalten.
Batteriepole: Diese sollten immer mit Batteriefett eingefettet sein, um eine Oxydation (durch Sulfatisierung) zu verhindern.
Achtung: Beim Ausbau von Batterien immer zuerst den Minuspol abklemmen, um Funkenbildung zu verhindern! Einbau in umgekehrter Reihenfolge!
Weitere TIPPS für
Batterien (Wartung, Pflege, Laden, Aus- und Einbau) sowie für Ladegeräte findest Du HIER.
üAuspuffanlage trocken halten
Auspuffanlagen während des Stillstandes trocken halten. Ein simpler Tipp:
Einfach ein Plastiksackerl über die Auspuffendstücke stülpen und mittels Klebeband fixieren. Somit kann keine Feuchtigkeit in das Innere des Auspuffs eindringen und die Rostbildung wird
unterdrückt.
Motorrad auf Rangierhilfe mit Abdeckplane
üZum Schutz vor Staub und
Feuchtigkeit
Wenn alle erforderlichen Arbeiten durchgeführt sind
ist Dein Bike bereit für die Stilllegung. Natürlich hast Du Dein Bike gewaschen, getrocknet und poliert. Denke daran, daß sich durch den
monatelangen Stillstand Staub und Feuchtigkeit an allen möglichen Stellen absetzen können. Das kannst Du mit einer Abdeckplane verhindern. Diese Planen gibt es in verschiedenen Größen im
Motorradfachhandel zu kaufen.
Bei der Größenauswahl der Plane denke an eventuelle Auf- und Umbauten an Deinem Bike, Koffer, Top Case usw.
Beachte beim Kauf, daß die Plane die Feuchtigkeit und Kondenswasser nach außen entweichen läßt, sodaß Lack, Chrom & Co. immer trocken sind.
Wenn Du diese wenigen Maßnahmen durchgeführt hast kannst Du Dein Bike beruhigt rasten lassen.
Warten auf das
Frühjahr
Die nächste Motorradsaison
kommt bestimmt. Übrigens: Spätestens jetzt ist auch Zeit, die Motorradkleidung, Handschuhe, Schutzhelm, Seitenkoffer und Top Case
von Fliegenleichen und sonstigen Verunreinigungen zu befreien.
Wenn das Frühjahr naht kommt das "Auswintern". HIER findest Du alles zu diesem Thema bzw. zur Wiederinbetriebnahme nach längerer Stilllegung.
Auch für die Reinigung und Pflege von Kunststoff-, Acryl-, Leder- und Kunstlederteilen findest Du HIER wertvolle
Tipps.
Gerd Frömmel und seine Honda F6C Valkyrie GL1500





















