Allgemeine Tipps zum Motoröl

und was man zum Motorölwechsel wissen sollte

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Diese Tipps sind nicht typenbezogen und daher für alle Fahrzeuge geeignet.

Motoröl, Tipps zur Verwendung und Ölwechsel

Benutze grundsätzlich Öl mit der vom Motorrad-Hersteller für die jeweiligen Einsatzbedingungen empfohlenen Viskosität.
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Achte beim Kauf auf die empfohlene API-Spezifikation, sie ist zumindest ein Indiz für die Qualität. Die JASO MA ist noch relativ neu, Öle ohne diese Spezifikation müssen nicht schlechter sein.
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Wähle auf jeden Fall ein spezielles Motorrad-Öl, denn dies enthält Grundöle und Additive, die für die scherende Belastung in Kupplung und Getriebe besonders geeignet sind.
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In der Regel reicht im Alltagsbetrieb ein gutes Mineralöl. Bei manchen extrem belasteten Motoren ist synthetisches Öl vorgeschrieben. Ein Wechsel von Mineral- auf Synthetiköl ist bei hohen Belastungen zum Beispiel auf der Rennstrecke oder bei außergewöhnlichen Einsatzbedingungen, etwa häufigen Kaltstarts im Winter, angebracht.
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Benutze in der Einfahrzeit Mineralöl, auch wenn Du später ein synthetisches Öl verwenden willst. Das fördert den anfangs gewünschten Verschleiß, die Lagerpaarungen und Zahnräder spielen sich besser aufeinander ein. Die Einlaufphase, in der ein Motor nicht hart rangenommen werden sollte, wird verkürzt.
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Viele Motorradhersteller oder -Importeure haben Verträge mit Ölfirmen. Du musst jedoch nicht zwingend das vom Motorradhersteller vorgeschlagene Öl verwenden, solange Viskosität und Klassifizierung stimmen. Für Garantie und Gewährleistung muss das Motorrad jedoch nach Inspektionsplan in der Werkstatt gewartet werden.
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Halte dich an die vorgegebenen Wechsel-Intervalle. Häufigeres Wechseln bringt bei einem guten Markenöl in modernen Motoren nichts. Längere Intervalle schaden auf jeden Fall. Wer von Mineral- auf Synthetiköl umstellt, sollte danach den ersten Wechsel auf etwa zwei Drittel der angegebenen Distanz verkürzen, da das Synthetiköl unter Umständen Ablagerungen löst.
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Bei Old- und Youngtimern ohne vernünftige Ölfilterung oder bei Motoren ganz ohne Filter (z.B. viele Husqvarna-Enduros) kann der Abrieb mit dem Öl umgewälzt werden. In solchen Fällen ist ein häufigerer Ölwechsel unbedingt nötig.
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Fahre den Motor immer vorsichtig warm. Moderne Motoren sind in diesem Punkt zwar nicht mehr so kritisch, trotzdem verringert das Warmfahren den Verschleiß und erhöht die Lebensdauer deutlich.
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Tausche beim Ölwechsel regelmäßig nach Herstellervorgabe den Ölfilter. Alte Filter können verstopfen und den Ölkreislauf beeinträchtigen. Außerdem wird so auch das im Ölfiltergehäuse enthaltene Altöl getauscht.
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Wer im Winter fährt, sollte auf Öl mit hoher Viskositätsspanne wechseln, das sind durchweg synthetische Öle. Dadurch werden die Schmierung und das Startverhalten verbessert.

Bei einem Werkstattbesuch:
> Frage vor der Inspektion bei Abgabe der Maschine, welche Ölfabrikate deine Werkstatt führt. Evtl. kannst du jetzt noch Wünsche anbringen.
> Teile mit, welche Ölsorte du willst, ob Mineralöl, synthetisches oder teilsynthetisches Öl. Lasse dich beraten.
> Kontrolliere, ob auf der Rechnung die genaue Ölsorte und der Preis angeführt sind.
> Wechsle möglichst nicht die Ölsorte, wenn du mit der alten zufrieden bist. Klebende oder rutschende Kupplungen lassen sich so vermeiden.
> Teile der Werkstatt mit, ob dein Motorrad in der letzten Zeit mehr oder zu viel Öl verbraucht hat. Zu hohem Verbrauch muss die Werkstatt auf jeden Fall nachgehen.
> Falls zu hoher Ölverbrauch der Grund für einen Werkstatt-Aufenthalt ist, hole einen Kostenvoranschlag ein - es kann teuer werden.
> Kontrolliere, ob ein nach Wartungsplan fälliger Ölfilter auf der Rechnung auftaucht.

Honda F6C Valkyrie GL 1500 - © Alle Fotos sind Eigentum von Gerd Frömmel („www.fg-steirer.at“, siehe auch Fußzeile und Impressum) ©

Motorölwechsel bei Motorrädern (nicht typenbezogen)

 

Schritt 1: Nachdem wir das Bike und die Nachbarschaft zwecks Warmlaufphase kurz aus dem Mittagsschlaf geweckt haben, lassen wir es nun ein wenig ruhen, damit sich das warme, fließfreudigere Öl nebst allen Sedimenten in der Ölwanne vor der Ablassschraube versammeln kann. In dieser Phase kann bei vollverkleideten Bikes schon mal der Weg zum Öl-Einfüllstützen, zur Ablassschraube und zum Ölfilter freigelegt werden. Dann den passenden Schlüssel für die Ölablassschraube zur Hand nehmen.


Schritt 2
: Besser als ein Maulschlüssel ist immer ein Ringschlüssel oder eine Stecknuss mit Knarre, da sie die Schraube komplett umschließen und so die Gefahr des Abrutschens oder der Beschädigung des Schraubenkopfes minimieren. Los geht’s (fast) immer gegen den Uhrzeigersinn. Da übereifrige Motorradbesitzer aus Angst vor Schrauben- und Ölverlust die Ablassschraube gern besonders fest anziehen, kann es sein, dass sie sich nicht sofort und schon gar nicht mit einem kurzen Schlüssel lösen lässt. In diesem Fall hilft ein Schlag mit der flachen Hand in Drehrichtung gegen den Schraubenschlüssel, um das nötige Losbrechmoment aufzubringen. Spätestens jetzt ist es Zeit, die Ölauffangwanne in Position unter dem Motor zu bringen. Aber daran denken, dass das warme dünnflüssige Öl mit einem gewissen Druck aus der kleinen Öffnung schießt und dabei eine umgekehrte Flugparabelbahn, gern direkt neben die Auffangwanne, beschreibt. Also die Wanne in die richtige Position bringen.


Schritt 3
: Zudem hilft es, den Moment des Ölausflusses zu kontrollieren, indem die letzten Schraubenwindungen mit der Hand gedreht werden. Die Schraube dabei mit Daumen und Zeigefinger am Kopf packend mit leichtem Gegendruck herausdrehen. So kann der zu erwartenden Strahl nicht nur gedämpft und in seiner Richtung beeinflusst werden, sondern die Schraube und eventuell der Dichtring auch vor dem Absturz in die Ölwanne bewahrt werden. Nun kann das Öl in aller Ruhe abfließen.


Schritt 4
: Verfügt das Motorrad über eine seitliche Ölablaßschraube empfiehlt es sich das Bike abzubocken und leicht zur Seite zu legen, um auch die letzten Reste des alten Öls und die Abriebsedimente vom Boden der Ölwanne herauszuschwemmen. Danach das Motorrad wieder in die Senkrechte bringen und den allerletzten Tropfen abwischen.


Schritt 5
: Zu einem ordentlichen Ölwechsel gehört immer auch ein Wechsel des Ölfilters beziehungsweise der Ölfilterpatrone. Schließlich sammeln sich hier die Abriebsedimente und andere kleine Fremdkörper, die beim Betrieb in den Ölkreislauf gelangen. Da sich der Ölfilter preislich ungefähr auf dem Niveau eines einzelnen Liters des kostbaren Rohstoffes bewegt, sollte hier nicht an der falschen Stelle gespart werden. Die Ölfilterpatrone lässt sich in den meisten Fällen, besonders, wenn sie vorher fachgerecht montiert wurde, durch Linksdrehung per Hand lösen. Für schwierige Fälle gibt es geeignete Ölfilter-Schlüssel im Zubehör. Diese bestehen meist aus einer einstellbaren Lasche und einem Hebel. Aber auch eine große Wasserpumpenzange tut’s. Doch Achtung: Auch hier fließt Öl. Und zwar ab der ersten Umdrehung. Deshalb vor dem Lösen des Ölfilters die Ölauffangwanne in Position bringen. Filter ganz heraus drehen und kopfüber in die Wanne legen. Altöl und Filter gehören später in den Sondermüll. Auf keinen Fall gehört der Ölfilter in den Hausmüll. Ein Tropfen Öl verseucht fünf Badewannen voll Grundwasser. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine schlimme Umweltsünde.


Schritt 6
: Nachdem wir die Dichtfläche am Motorblock mit einem Lappen abgeputzt haben und den O-Ring, das ist der Gummiring an der Platten-Seite der Ölfilterpatrone, mit etwas frischem Öl benetzt haben, kann der neue Filter angeschraubt werden. Wichtig hierbei ist, dass man den Filter richtig an das Gewinde ansetzt. Das kann deshalb etwas schwierig sein, weil man nichts sehen kann, da der Filter meist irgendwo versteckt verbaut wird und das Gewinde innen liegt. Also mit etwas Gefühl ansetzen und dann ohne jedes Werkzeug handfest anziehen. Der volle Schmackes eines Unterarms reicht vollständig aus. Wer hier meint, den Ölfilterschlüssel auch mal anders herum einsetzen zu müssen, wird beim nächsten Ölwechsel arge Probleme bekommen.


Schritt 7
: Ein wichtiges Werkzeug, besonders für unerfahrene Schrauber, ist der Drehmomentschlüssel. Mit seiner Hilfe kann ein Überdrehen des Gewindes, sowie das Abreißen einer Schraube wirkungsvoll verhindert werden, da die ausgeübte Kraft auf die Schraube vorher am Schlüssel eingestellt werden kann. Zwar kommt beim Schrauben nach „lose“ bekanntlich irgendwann „fest“, doch danach auch gleich schon „ab“. Besonders die Alu-Gewinde im Motorblock sind sehr empfindlich. Eine Drehmoment-Tabelle für fast alle relevanten Schrauben und Gewindestärken findet man im Schrauberhandbuch des Motorrades. Ist das entsprechende Drehmoment erreicht, knackt der Schlüssel hör- und fühlbar an der Drehachse. Dann ist’s genug und man ist sich sicher, dass die Schraube sich nicht wieder löst. Eine Investition für einen Drehmomentschlüssel macht sich schon bezahlt, wenn man damit auch nur ein durchgewürgtes Gewinde oder eine verlorene Schraube verhindert. Und gebrauchen kann man ihn an fast jeder Schraube. Also Ölablassschraube schön abputzen, wenn vorgesehen einen neuen Kupfer- oder Gummidichtring verwenden und ordnungsgemäß festziehen.


Schritt 8
: Nun kommen wir zum schönsten Teil des Ölwechsels. Dem Einfüllen des frischen Schmiermittels. Die vorgeschriebene Menge des Öls entnimmt man wieder dem Hand- oder Werkstatt-Buch. Hier sind meist drei verschiedene Mengen angegeben. Die nachzufüllende Menge bei einem Ölwechsel, bei einem Öl- und Filterwechsel und die Menge, die nach einer Komplettzerlegung des Motors eingefüllt werden muss. Dabei geht man am besten so vor, dass man zunächst etwas weniger als die angegebene Menge einfüllt und im Schauglas kontrolliert, wo sich der Ölstand einpegelt. Man füllt dann bis zur oberen Markierung auf und lässt das Motorrad, natürlich nach Verschließen des Öleinflülldeckels (sonst spritzt es arg) kurz laufen, um den Ölfilter zu füllen. Danach müssen wir einige Minuten bei abgeschaltetem Motor warten, bis sich das Öl wieder in der Ölwanne gesammelt hat und erneut den Ölstand im Schauglas kontrollieren. Entsprechende Fehlmengen sind dann nachzufüllen. Dabei aber auch darauf achten, wie das Motorrad steht. In keinem Fall sollte es auf dem Seitenständer stehen. Manche Handbücher verlangen die Positionierung auf dem Hauptständer, oder aber eben mit beiden Rädern auf dem Boden. In jedem Fall sollte der Untergrund gerade und eben sein.

Gute Fahrt!

(Quelle: Bikerszene.de)

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