Flaggen Italien und Sizilien
Flaggen Italien und Sizilien

 

Stiefeltour Italien - Sizilien *2013*

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Kurzübersicht, einige Daten zur Reise:

> Reisezeit: 28. Juli - 17. August 2013 (= 21 Tage);

> Reine Fahrtstrecke siehe Landkarten: ca. 4.600 km + 2 Fährenüberfahrten;

> 31 Tankstops / 1 Werkstattaufenthalt;

> Höchste gemessene Temperatur: 44°C in Pachino (Südküste Siziliens), Temperaturdurchschnitt gesamte Tour tagsüber 37°C;

> Sonnen- /Regentage: 21 Tage Sonne, 1 Regenschauer für 15 Minuten;

> Hotels: 17 verschiedene Hotels gebucht;

> 2 Seitenkoffer und 1 Top Case schleppen: 36 x an- und abgebaut;

> Reisegewicht: Motorrad, Koffer, Christine und ich: 560 kg;

> Chrom- und Lackpolituren bei Ankunft in Hotels: öfter, weil es hier viel staubt;

> Hoppalas: mehrere, siehe Reisebericht;

> Fotos: mit 2 Digitalkameras 5.120 Fotos.


Nachstehend unsere Fahrtstrecke mit den Übernachtungen / Hotels.

Die gelb markierten Zahlen bezeichnen die Positionen auf der Landkarte.


Anreise durch Italien:

Bad Aussee (1) - Asseggiano Nähe Venedig (2) (1 Übernachtung im Green Garden Resort, Asseggiano) - Lido di Classe (3) (1 Übernachtung im Hotel King Marte, Lido di Classe) - Porto Sant'Elpidio - Pescara (4) (1 Übernachtung im Hotel Carlton, Pescara) - Cellino San Marco (5) (2 Übernachtungen im Hotel Tenute Albano Carrisi, Cellino San Marco) - Lamezia Terme (6) (1 Übernachtung im Bram Hotel, Lamezia Terme) - Villa San Giovanni (7) - Fähre nach Sizilien


Sizilien:

Messina (8) - Zafferana Etnea (9) (1 Übernachtung im Hotel Primavera Dell´Etna) - Ätna - Syrakus (10) (2 Übernachtungen im Hotel Le Residenze Archimede, Siracusa) - Pachino (11) - Licata (12) - San Leone (13) (1 Übernachtung im Best Western Hotel Dioscuri Bay Palace, San Leone) - Vittoria - Cannatello - Sciacca - Castellammare Del Golfo (14) (3 Übernachtungen im Hotel Cetarium, Castellammare Del Golfo) - Palermo - Milazzo (15) (1 Übernachtung im Hotel Riviera Lido, Milazzo) - Messina (16) - Fähre nach Italien


Rückreise durch Italien:

Villa San Giovanni (17) - Diamante (18) (1 Übernachtung im La Felce Imperial Hotel, Diamante) - Salerno (19) (1 Übernachtung im Novotel Salerno Est Arechi) - Fiumicino (20) (1 Übernachtung im Hotel Tiber, Fiumicino) - Sesto Fiorentino (21) (1 Übernachtung im Hotel Villa Stanley, Sesto Fiorentino) - Rivoltella (22) (1 Übernachtung im Hotel Aquila D´Oro, Rivoltella) - Brenner - Rum bei Innsbruck (23) (1 Übernachtung im Hotel Rumer Hof, Rum) - Inntalautobahn - Kufstein - großes Deutsches Eck - Rosenheim - Salzburg Walserberg (kleines Deutsches Eck, 24 Lofer war ursprünglich geplant) - Bad Aussee (25).

Nicht nur von der An- und Rückreise durch Italien erzähle ich, auf Sizilien gibt es auch viel zu sehen und zu besuchen: der Fischmarkt in Catania, eine Fahrt auf den Vulkan Ätna, die Schluchten der Iblei, die Töpfer von Altagirone, Agrigento, das Zentrum der Südküste, der Tempel von Segesta, die Ruinen von Mozia, die Salzgärten von Trapani, die Weinstadt Messina, und natürlich der Liebesberg in Erice.

Man sollte viel Zeit mitbringen - und vor allem nicht zur Hochsaison fahren. Mit dem Motorrad ist es auf Grund der enormen Hitze sehr mühsam, aber das haben wir gewusst.

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> Karte links zeigt unsere gesamte Fahrtstrecke in Italien und Sizilien

> Karte Mitte zeigt unsere Fahrtstrecke in Italien (An- und Rückreise)

> Karte rechts zeigt unsere Fahrtstrecke auf Sizilien


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Allgemeine Hinweise vor dem  Reisebericht

 

Italienische Autobahnmaut (dürfte allgemein bekannt sein):

Die Autobahnmaut kann man in bar, mittels Kreditkarte oder Telepass bezahlen (entsprechende Fahrspur beachten!) Wenn die Kartenzahlung aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, wird trotzdem ein Beleg ausgedruckt und der Schranken öffnet sich. Kontrolliere sofort den ausgedruckten Beleg. Sollte unter dem Punkt "Modalita di Pagamento" ein "R" stehen wurde die Maut nicht bezahlt. In diesem Fall unbedingt gleich eine Person an der Mautstelle oder einer "Punto Blu" (= Maut Service Stelle) kontaktieren.

Niemals vor geschlossenem Schranken versuchen zurückzuschieben. Dies ist bei Strafe verboten und wird geahndet! Der Schranken geht irgendwann auf jeden Fall hoch!

ACHTUNG! Mahnungen durch Inkassobüros für nicht bezahlte Autobahnmaut unbedingt ernst nehmen. Nicht bezahlte Autobahngebühren verjähren in Italien erst nach 10 Jahren!

 

Parken und Verkehr auf Sizilien:
Parken: Gelbe und schwarz-gelb markierte Bordsteine sowie die Schilder passo carabile (Zufahrt freihalten), sosta vietata (Parkverbot) und zona rimozione (Abschleppzone) bezeichnen absolutes Parkverbot. Blaue Bordsteinkanten bezeichnen gebührenpflichtige Parkplätze. Parktickets gibt es entweder am Automaten oder im Tabacchi. Bei den parcheggi gratta e sosta ("Kratze und parke") kauft man Parkscheine und rubbelt die Ankunftszeit frei. Die Parkscheine gelten in der Regel je eine Stunde. Hat man vor, mehrere Stunden zu parken, legt man mehrere dieser Scheine sichtbar ins Auto, dabei wird die freigerubbelte Ankunftszeit um jeweils eine Stunde verschoben.

Verkehr allgemein: Wie in Italien so herrscht auch auf Sizilien reges Treiben auf den Strassen. Wie ich auch schon in anderen Berichten geschrieben habe werden hier Vorschriftszeichen wie z. B. "Allgemeines Überholverbot", "Geschwindigkeitsbeschränkung" sowie auch Sperrlinien und Sperrflächen "übersehen" bzw. ignoriert. Besonders in Kurven ist es ratsam immer ganz rechts zu fahren, um nicht einem Kurvenschneider plötzlich in die Augen zu sehen. Tafeln für Geschwindigkeitsbeschränkungen sind hier ebenfalls aufgestellt um ignoriert zu werden (so habe ich das Gefühl). Ich hab´s eine zeitlang versucht mich daran zu halten, ist aber unmöglich. Spätestens nach ein paar Minuten hast du eine Kolonne ungeduldiger Verkehrsteilnehmer hinter dir, die dir am liebsten anschieben würden. Du musst also "mit dem Strom schwimmen" und dich der Situation anpassen. Auch die Polizia und Carabinieri sind da keine Vorbilder und fahren, als müssten sie ein Rennen gewinnen.

In Italien und Sizilien wird auch vor Schutzwegen (Zebrastreifen) nicht Halt gemacht. Der fließende Verkehr hat hier Vorrang. Sehr schnell kannst du von einem hinter dir fahrenden, der sowieso keinen Sicherheitsabstand einhält, abgeschossen werden, wenn du vor einem Zebrastreifen abbremst, um Fußgänger über die Strasse zu lassen.

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Tanken in Italien und Sizilien:

Das Tankstellennetz in Italien ist sehr gut ausgebaut, an den Autobahnen sind die Tankstellen rund um die Uhr geöffnet.

Anders ist es abseits der Autobahnen (am Land, in Dörfern): Hier wird meist zwischen 12:30 Uhr und 15 Uhr Siesta gehalten und die Tankstellen sind geschlossen (ausgenommen Tankstellen mit Bezahlautomaten, 5-, 10- oder 20 € - Scheine bereithalten, knitterfrei!!). Auch in Ballungszentren sind die Tankstellen oft schon um 19 Uhr geschlossen.
Auf Sizilien ist das Tankstellennetz nicht flächendeckend ausgebaut, daher rechtzeitig tanken. An den meisten Tankstellen wird man bis spätestens 20 Uhr bedient. Nachts bezahlt man an den Tankautomaten, ausserdem ist der Treibstoff nachts etwas günstiger. Für Automatenzahlungen unbedingt knitterfreie 5-, 10- oder 20 € - Scheine bereithalten.

An Feiertagen bleiben die Tankstellen in Italien und Sizilien am Land und in kleinen Dörfern geschlossen, fallweise sind Automatenzahlungen möglich. An den meisten Automaten wird jedoch nur Bargeld akzeptiert, keine Kartenzahlungen.

Geldtransaktionen und Internet auf Sizilien und in Süditalien

Achtung bei Geldtransaktionen:

Zahlungen mit Bankomat- oder Kreditkarten funktionieren oft nicht, da die Konnektivität der Terminals oft nicht gegeben ist oder das Timeout auf Grund langsamer Verbindung überschritten wurde.

Kartenzahlungen bei POS Terminals, die nicht authorisiert oder durchgeführt werden können werden im Normalfall auch nicht vom Konto abgebucht. In jedem Fall wird ein Beleg ausgegeben, eine positive Transaktion wird am Ende des Belegs mit "Transazione OK oder Transazione eseguita" bestätigt.

Eine Authorisierung mit Karte und Code ist auf jeden Fall sicherer als mit Unterschrift.

Funktioniert die Kartenzahlung bei einem Einkauf, an der Tankstelle usw. nicht beim ersten Versuch kann man auf jeden Fall einen zweiten oder dritten Versuch starten. Im Fall von technischen Problemen ist es daher ratsam, auch Bargeld mitzuführen. Besonders ungut kann die Situation an einer Tankstelle werden, wenn man seine Rechnung dann nicht bezahlen kann. Die sprachliche Barriere verschlimmert die Situation dann noch zusätzlich.

Internet:

Die Internetverbindungen in Süditalien und Sizilien sind oft sehr schlecht und oft ganztags nicht verfügbar. Hotels bieten oft W-LAN an, was aber genauso schlecht funktioniert. Wer am Land oder in der Stadt auf das Internet angewiesen ist sollte sich also nicht auf immer funktionierende Verbindungen verlassen.

Fit für die Tour? Motorradzustand?

Es ist zwar selbstverständlich, daß nicht nur Du sondern auch Dein Motorrad fit für eine lange Tour ist.

Immer wieder kann man beobachten, daß Motorradfahrer im Ausland plötzlich vor verschlissenen Reifen stehen und auf der Suche nach einer Werkstatt und passenden Reifen dafür unnütze Zeit investieren müssen. Warme Temperaturen und rauer Asphalt lassen die Reifen schneller verschleissen.

Daher an dieser Stelle nochmals der Tipp: Im Zweifelsfall noch vor der Tour die Reifen wechseln.

Die eigene körperliche Fitness für lange Touren sollte Voraussetzung sein, besonders in Ländern mit heissen Temperaturen.

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Der Reisebericht , auch heuer wieder mit einigen "Hoppalas" und lustigen Begebenheiten, sowie viele Fotos der gesamten Tour

 

Wie alle Jahre haben wir sämtliche Unterkünfte / Quartiere im Vorhinein über ein Buchungsportal im Internet gebucht.

Frühbucher sind auf jeden Fall im Vorteil. Wir buchten diesmal erst Anfang April, da war für unsere Reisezeit nur mehr ein eingeschränktes Angebot vorhanden. Aber wir bekamen, was wir wollten. Auch heuer haben alle Hotelbuchungen funktioniert und die Zimmer waren verfügbar.

 

Der alljährliche "Kampf": Was soll in die Koffer, was muss zu Hause bleiben? 2 Seitenkoffer + 1 Top Case bieten zwar viel Raum, aber doch immer wieder zu wenig. Für mich wäre es ja einfach: Einige T - Shirts, Socken, Unterwäsche, Sandalen, für abendliche Restaurantbesuche 2 lange Hosen, Badesachen - das war´s. Multifunktionswäsche, die man während der Tour waschen kann und schnell trocknet haben wir auch immer mit.

Mein Tablet ist auch dabei, damit ich manchmal einige Urlaubsgrüsse in die Heimat und den Rest der Welt senden kann. Das alles hat in einem halben Koffer Platz, wir haben aber 3.

Ach ja, ganz wichtig: Wer in südliche (warme) Länder reist sollte sich vor der Abreise noch Kohletabletten aus der Apotheke besorgen. Sehr schnell kann man in solchen Ländern auf Grund verunreinigtem Wasser oder durch Speisen an Magen-/ Darmbeschwerden mit Durchfall leiden. Daher niemals Wasser direkt aus der Leitung trinken. Kohletabletten helfen hier sehr schnell.

Christine ist Weltmeisterin im Wäsche schlichten und Kofferpacken, alle Koffer werden natürlich auch noch voll.

Mit einem Gesamtgewicht von ca. 560 kg (Motorrad, Koffer und wir) machen wir uns auf die Reise.

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Eines muß man den Italienern und Sizilianern schon zu Gute halten:

Kochen können sie (nicht nur Pizza und Spaghetti, aber das ist wie alles im Leben Geschmacksache), und der Kaffee ist sowieso unschlagbar. Hat mir mal einer auf meine Frage erzählt, warum der Espresso bei ihnen so gut schmeckt. Die Antwort: "Weil wir unsere Kaffeemaschinen nie reinigen ..." (wer´s glaubt, ich hab´s nicht kontrolliert).

 

Auch von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft kann sich so mancher Tourismusbetrieb in unseren Breiten ein Beispiel nehmen! Und wer - so wie wir - kein italienisch spricht kommt mit Englisch hier sehr gut weiter (zumindest in den Gast- und Beherbergungsbetrieben). Immer mehr Speisekarten werden zweisprachig aufgelegt, wenn auch manchmal mit sehr lustigen Übersetzungen.

 

So, und jetzt zum Reisebericht:

Bikerbär Giuseppe Albano Georgio - KLICK zum Vergrössern
Bikerbär Giuseppe Albano Georgio - KLICK zum Vergrössern

1. Tag - Sonntag, 28. Juli 2013:

Bad Aussee nach Asseggiano (454 km)

Früh am Morgen Abfahrt von Bad Aussee. Um schneller in den Süden zu kommen wählen wir die Route über Radstadt, Flachau, auf die A10 (Tauernautobahn) nach Villach, weiter auf der Autobahn vorbei an Udine, Portogruaro bis zur Ausfahrt Venezia Est. Bis nach Asseggiano sind es jetzt noch 18 km.

Natürlich gäbe es die 12 km längere Strecke (jedoch + 1 Stunde längere Fahrtzeit), eine schönere und reizvollere Route über Lienz, Sillian, durch das Canaltal nach Mestre und Asseggiano. Der zusätzliche Urlauberverkehr hat uns die Entscheidung leicht gemacht und wir bevorzugten die Autobahn.

Ach ja, beinahe hätte ich´s vergessen: Wie jedes Jahr haben wir auch heuer wieder eine Begleitung. Es ist Bikerbär Giuseppe Albano Georgio, der die Reise vom Top Case aus miterlebt. Leider hat er sich während der Reise verabschiedet, doch dazu später mehr.

Mittagessen - KLICK zum Vergrössern
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2. Tag - Montag, 29. Juli 2013:

Asseggiano nach Lido di Classe über Chioggia und Comacchio (171 km).

Um 08:30 Uhr starten wir vom Hotel und bemerken schon nach den ersten Kilometern, dass uns heute ein warmer Tag bevorsteht. Bei 31° C in der Lederkluft fahren wir auf der SS an den Städten Chioggia und Comacchio vorbei. Zu sehen gibt es hier nichts besonderes. Der Verkehr ist heute auch nicht besonders stark. Die eher kurze Strecke bewältigen wir in 2 1/2 Stunden und erreichen unser Zwischenziel bei 35°C. Ganz schön warm um 11:00 Uhr.

Nachmittags hielten wir uns am hoteleigenen Strand an der Adria auf, den wir durch einen herrlichen Pinienwald in 5 Minuten zu Fuß erreichen. Das Wasser ist glasklar. Ein plötzlich auftauchender Regenschauer ohne Vorwarnung mit Sturmböen beendet den Badespaß kurzfristig, aber ab 17 Uhr knallt die Sonne wieder erbarmungslos auf die inzwischen wieder aufgetauchten Badegäste nieder.

Wir haben uns vorgenommen, nie wieder solch einen Sonnenbrand wie damals in Sardinien zu bekommen und haben uns den restlichen Tag eher im Schatten aufgehalten.

Nach dem Abendessen machten wir noch einen Strandbummel am Meer, bevor wir nach 2 Campari Soda in unseren Matratzen versinken.

Gute Nacht für heute.

Pescara, Strand - KLICK zum Vergrössern
Pescara, Strand - KLICK zum Vergrössern

3. Tag - Dienstag, 30. Juli 2013:

Lido di Classe nach Pescara (295 km)

Um schneller Richtung Süden zu kommen beschließen wir die Fahrt auf der A14 via Ancona.

Autobahnfahren ist mit dem Motorrad wenig reizvoll, die Strecke hat auch nicht viel zu bieten. Nachdem es bis Sizilien noch weit ist drehte ich zwischendurch mal ordentlich am Gasgriff. Ich weiß, in Italien sollte man die 130 nicht überschreiten. Das ist aber gar nicht möglich, weil das auf der Autostrada anscheinend die "Mindestgeschwindigkeit" ist. An das Limit hält sich niemand, also machen wir mit.

H O P P A L A : Bevor wir jedoch auf die Autostrade auffahren muss man bekanntlich durch einen "Puntu Blu", das Mautticket ziehen. Irgendwie habe ich die falsche Spur erwischt und bin zu einer Mautstelle mit offenem Schranken, aber ohne Ticketausgabe gekommen. Ich habe den Fehler natürlich gleich bemerkt, zurückschieben ist jedoch  per Strafe verboten (wird per Video kontrolliert). Hinter uns ist inzwischen ein Sattelschlepper nachgekommen. Nach einigem Herumfummeln an 2 Knöpfen mit unleserlicher Aufschrift - natürlich ohne Erfolg - bin ich durch den offenen Schranken durchgefahren und habe danach angehalten. Wie komme ich nun zu einem Ticket? Das funktioniert nur, sobald ein Fahrzeug über eine in der Fahrbahn eingelassene Kontaktschleife fährt. Autofahrer auf anderen Spuren konnten (oder wollten) mir mangels Sprachwierigkeiten nicht weiterhelfen. Irgendwie musste ich zu einem Ticket kommen, denn spätestens bei der nächsten Autobahnabfahrt würde ich ein Problem bekommen.

D I E   I D E E (nicht zur Nachahmung empfohlen!) Unter "Lebensgefahr" lief ich über mehrere Fahrspuren und wartete, bis das nächste Auto über die Kontaktschleife fuhr und ein Ticket ausgegeben wurde.

Schnell zupfte ich das Ticket aus dem Automaten und suchte das Weite. Wissend, daß der "arme" Autolenker, dem ich das Ticket geklaut hatte, nicht aussteigen kann (zwischen Autotüre und Abgrenzung waren nur wenige Zentimeter Platz) hatte ich genügend Zeit zur Valky zu laufen und abzuhauen. Ein lautstarkes "Seniore, Seniore!", das er mir hinterherrief konnte mich nicht stoppen. Nix wie weg. Inzwischen warteten hinter diesem Dosentreiber schon weitere Autofahrer, die natürlich auch durchwollten, aber der Schranken war zu. Nun lag dasselbe Problem bei dem Autofahrer: ohne Ticket keine Weiterfahrt. Im Rückspiegel sah ich noch mehrere Fäuste, die mich wahrscheinlich am liebsten geprügelt hätten. Ich entschuldige mich hiermit bei dem "ungewollten Ticketspender", inzwischen wird auch er die Weiterfahrt angetreten haben.

 

Ankunft um 13:30 Uhr in Pescara. Unsere 3 Koffer hätte ich selbst ins Zimmer geschleppt. Ein übereifriger Kofferträger hat mir diesen Job abgenommen, ebenfalls € 5,00 Trinkgeld. Auf die hat er im Zimmer solange gewartet, bis ich ihm den erwarteten Schein übergab. Es ist ja bekannt, dass jeder Handgriff in Italien / Sizilien ein Trinkgeld erfordert. Soll´s so sein.

Wie in Italien üblich hält man um diese Zeit Siesta, so auch wir. Es tat gut der nachmittägigen Gluthitze etwas zu entkommen.

Das Abendessen genossen wir auf einer Terrasse und verdauten es anschließend bei einem ausgiebigen Spaziergang.

 

Albano Carrisi - KLICK zum Vergrössern
Albano Carrisi - KLICK zum Vergrössern

4. Tag - Mittwoch, 31. Juli 2013:

Pescara nach Cellino San Marco über Foggia und Bari (445 km)

Heute und morgen übernachten wir bei Albano Carrisi, Celino San Marco. Albano Carrisi ist ein italienischer Sänger  und Winzer. Bekannt wurde er durch seine Auftritte im Duo mit seiner ehemaligen Frau Romina Power (Nel Sole, Felicita, Ti Amo, Volare, Azzurro, Tu, Sempre Sempre, Che Sara, Quando Quando Quando, Ave Maria und viele andere bekannte Titel).

Auf diese Etappe haben wir uns schon lange gefreut, da wir schon aus anderen Berichten von der tollen Anlage des Albano Carrisi gelesen haben.

Also, rauf auf die Autostrade, wir sind hier ganz allein. Fad, meist schnurgerade, links und rechts braune und schwarz verbrannte Wiesen, rauchende Reste von Bäumen, die sich auf Grund der Hitze selbst entzündet haben. Aber wir geniessen auch die oft tollen Ausblicke über das Mittelmeer, kommen an Foggia, Bari und Monopoli vorbei, fahren durch Brindisi. Immer wieder rauf und runter, die Gegend dort ist hügelig, was uns die tollen Blicke ermöglichte.

 

Christine zückt oft während der Fahrt die DigiCam und hält besonders schöne Aussichten fest (wenn einer der beiden Akkus auch geladen ist). Eine Auswahl von Bildern ist natürlich auch online.

Inzwischen sind wir schon sehr weit südlich, sozusagen am "Absatz des Stiefels von Italien", das Thermometer am Motorrad zeigt bei einem Tankstop im Schatten bereits 37°C. Den Feuchtigkeitsverlust füllen wir bei jedem Stop mit Mineralwasser auf, zwei Flaschen haben wir während der Fahrt immer in einem Seitenkoffer.

Tenute Albano Carrisi, Cellino San Marco - KLICK zum Vergrössern
Tenute Albano Carrisi, Cellino San Marco - KLICK zum Vergrössern

Um 14:30 Uhr kommen wir im Tenute Albano Carrisi an. Das Navi hat uns zuerst mitten in den riesigen Weingarten geführt, wo wir nach dem "Stibitzen" einiger Weintrauben umkehrten.

An der richtigen Einfahrt angekommen ist uns zuerst mal der Mund offengeblieben (seht Euch dazu das Video links und die Fotos an).

Nach dem Einchecken wurden wir in unsere Wohnung geführt, in der wir in den kommenden 2 Tagen residieren werden. Alle Wohnungen und Zimmer sind hier mit Möbeln und Accessoires aus Olivenholz in Verbindung mit anderen südländischen Holzarten gefertigt - mit jeder Menge kleinsten liebevollen Details. Wir konnten uns gar nicht sattsehen.

Nach dem Auspacken der Koffer und der Erkundung des gesamten Areals erfrischten wir uns im glasklaren Pool und mit kühlem Aperol Spritz.

 

Ein erster kulinarischer Höhepunkt war abends im Restaurant: Wir speisten "Gemische Platte Carrisi" (diverse Schinkenarten und Prosciutto auf Salat), Spaghette Pomodore au passillio, Angus Rind auf Salat + Pommes frittes (Pommes frittes sind hier gebratene Kartoffelstäbchen), dazu 1 Flasche Weißwein Don Carmelo, gekeltert von Albano Carrisi.


"Königin der Nacht" - KLICK zum Vergrössern
"Königin der Nacht" - KLICK zum Vergrössern

5. Tag - Donnerstag, 1. August 2013:

Für heute planten wir eine Besichtigungstour: Piazza della Vittoria, Museo Archeologico Provinciale F. Ribezzo, Monument to Italian Sailors, Church of Santa Maria del Casale, Teatro Comunale di Brindisi.

Die nette Rezeptionistin hat uns davon abgeraten, da Temperaturen von über 40°C prognostiziert werden. Bei diesen Temperaturen wollten wir dann nicht in der Motorradkluft herumspazieren.

Nach dem Frühstück am Pool lernten wir ein Tiroler Ehepaar kennen, die schon öfter hier waren. Ihre Tipps nahmen wir dankbar an und besichtigten im Tenute das Wellness & Spa, die Vinothek, das Carrisiland für Kinder mit Erlebniswelt, wir kühlten uns am Pool ab.

Es war ein herrlicher Relaxtag - ohne Motorrad.

Am Abend stand die Wahl zwischen dem Restaurant oder der Pizzeria. Wir entschieden uns wieder für das Restaurant (Pizzas gibt´s zu Hause auch).

Nach dem Abendessen lernten wir die "Königin der Nacht" kennen, ein Wunder der Natur: Albano hat diese riesigen Kakteen in seinem Areal. Eine "Königin der Nacht" hat mehrere Blüten, die jedoch nur einzeln blühen. Jede einzelne Blüte blüht nur einmal im Jahr in nur einer Nacht. Genau diesen Zeitpunkt haben wir durch Zufall erwischt. Mit Worten nicht zu beschreiben, man muß es gesehen haben (oder die Fotos ansehen).

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6. Tag - Freitag, 2. August 2013:

Cellino San Marco nach Lamezia Terme über Tarent und Cosenza (338 km)

Überwältigt von den vielen Eindrücken bei Albano Carrisi müssen wir wieder eine Etappe weiterfahren.

Das Thermometer zeigt bei der Abfahrt um 08:15 Uhr bereits 32°C, es wird wieder eine Schwitzkur.

Das Navi kennt trotz aktuellstem Kartenmaterial auf dieser Strecke manche Strassen und Kreisverkehre nicht. Irgendwie haben wir es geschafft und uns auf eine Schotterstrasse verirrt, auf der wir auch nicht umdrehen konnten. So fuhren wir 5 km bis zum Ende um dann festzustellen, daß wir bereits seit 13 km auf der Gegenrichtung unterwegs waren.

Die Sonne nagelt auf unsere Lederkombi, der Schweiß rinnt in der A....falte zusammen, weit und breit kein Haus, kein Mensch, nix und niemand - und das Navi meldet laufend "Bitte wenden Sie jetzt".

Nach nervenaufreibenden 15 Minuten haben wir in Millimeterarbeit unser über 500 kg schweres Gefährt auf dem abschüssigen Schotterweg doch noch wenden können ("Menschenfleisch muss gepeinigt werden").

Die weitere Fahrt auf der SS quer durch´s Land von der Ost- zur Westküste belohnte uns mit teils schönen Strassen durch hügeliges Gelände. Je südlicher wir kamen desto mehr kleine Berge bot die Landschaft.

 

Das heutige Ziel liegt in Lamezia Terme. Diese Stadt wurde erst wenige Tage vor unserer Ankunft sehr "berühmt": Lamezia Terme war eine Drehscheibe der Mafia. Die italienische Polizei hat hier einen großen Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelandet und über 100 Mitglieder der Mafia verhaftet. Ein etwas mulmiges Gefühl ist mit uns mitgefahren, wir wussten ja nicht, ob das hier bei unserer Ankunft noch ein Thema ist. Man sprach aber nicht darüber.

Der einzige mögliche Parkplatz für unsere Valky für die heutige Nacht war direkt neben der Durchzugsstrasse, was in mir wiederum ein ungutes Gefühl aufkommen ließ. Regelmäßige nächtliche Blicke aus dem Hotelzimmerfenster haben mich beruhigt und die Valky stand auch am Morgen noch unversehrt an ihrem Platz. Puuhh, nix wie weg.

7. Tag - Samstag, 3. August 2013:

Lamezia Terme nach Zafferana Etnea, Überfahrt mit der Fähre von Villa San Giovanni (Kalabrien) nach Messina (Sizilien) (210 km)

Die Fahrt durch Kalabrien auf der SS verläuft sehr abwechslungsreich: erst die unzähligen Ausblicke auf das Thyrrenische Meer, dann quer durch das Land. Zum Hafen nach Villa San Giovanni gelangten wir über die Autobahn A3, Ausfahrt Villa San Giovanni - Beschilderung E45 Richtung Villa San Giovanni, weiter nach der sehr guten Beschilderung "Traghetti" (= Fähre).

Die Fähren teilen sich in 2 Kategorien auf: Die staatlichen Fähren (RFI, BLUVIA) und die privaten Fähren (Caronte & Tourist). Die privaten Fähren sind etwas günstiger als die staatlichen. Bei beiden ist es vorteilhafter, gleich Hin- und Rückfahrtstickets zu kaufen, da diese bis zu 30 % billiger sind und bis zu 90 Tage Gültigkeit haben.

Für die Fähre von Villa San Giovanni (Kalabrien) nach Messina (Sizilien) bzw. umgekehrt gibt es keinen Ticketvorverkauf. Die Tickets sind direkt am Hafen erhältlich (Beschilderung beachten). Die Fähren verkehren alle 15 - 30 Minuten, die Übersetzzeit beträgt ca. 20 Minuten. Während der Überfahrt kann man im Auto sitzen bleiben (in unserem Fall beim Motorrad bleiben) oder an Deck gehen und die schöne Aussicht genießen.

Die Fähren sind auch in der Nacht unterwegs und gewähren so einen schnellen und reibungslosen Transport.

 

Jetzt sind wir auf der Insel: Das ist Sizilien: Sommer von April bis Oktober.

... und auch DAS ist Sizilien: Die grösste Insel im Mittelmeer mit 25.000 km2, Blühende Zitronenplantagen am Meer, einsame und lange Strände, idyllische Barockstädtchen, aber auch die sozialen Gegensätze auf der Insel wechseln sich ab mit chaotischen Metropolen und kahlen Berglandschaften.

Auch jede der kleinen Inseln um Sizilien hat ihren eigenen Charakter. Doch all das interessierte mich zu diesem Zeitpunkt nicht, da mir beim Auffahren auf die Fähre ein verhängnisvolles Missgeschick passiert ist.

Diese Stelle wurde mir zum Verhängnis
Diese Stelle wurde mir zum Verhängnis

H O P P A L A : Der Absatz der Auffahrrampe war so hoch (siehe Foto links), daß ich auf Grund der Beladung und des Tempos mit dem Seitenständer und dem Rahmen aufgesessen bin. Als ich auf der Fähre den Seitenständer ausklappen wollte war dies nicht möglich. Durch das Aufsitzen hat es das Rahmenquerrohr, auf welchem die Ständerhalterung montiert ist, derart verbogen, daß man das Motorrad nicht mehr abstellen konnte. Während der gesamten Überfahrt musste ich auf der Maschine sitzenbleiben. In der Zwischenzeit überlegte ich die weitere Vorgangsweise: Tour abbrechen und Maschine zurück in die Heimat bringen lassen oder Hilfe beim ÖAMTC Notruf anfordern und auf ein Wunder hoffen ... Was soll nun mit der Valky passieren?

Was wir dann erlebten hätte ich niemals erwartet. Lest weiter. Fotos davon gibt es auch hier.

In einer sizilianischen Werkstatt - KLICK zum Vergrössern
In einer sizilianischen Werkstatt - KLICK zum Vergrössern

Das H O P P A L A  - Thema geht weiter:

Ein Anruf beim ÖAMTC Notruf in Wien, die sich sofort um mein Problem kümmerten. Es ist Samstag Mittag, keine Werkstatt hat um diese Zeit geöffnet. Honda Spezialisten gibt es hier nicht, schon gar nicht für eine F6. Aber es gibt sie wirklich, die Wunder:

 

... und auch DAS ist Sizilien: Nachdem von Wien aus der Partnerclub ADAC Italien und in weiterer Folge der ACI über mein Problem informiert wurde kam eine Welle der Hilfe ins Rollen. Ein deutschsprachiger Mitarbeiter versicherte mir telefonisch, daß bei unserem Eintreffen im Hotel in Zafferana Etnea die Pannenhilfe auf mich warten werde. Ich konnte es nicht glauben, dass in einer 3/4 Stunde Hilfe da sein soll. Nach dem Einchecken war ein perfekt Englisch sprechender Pannenfahrer hier, der allerdings auf seinem Abschleppwagen kein Motorrad transportieren konnte. Ausserdem ist keine Werkstatt bekannt, die ein solches Problem in kurzer Zeit an einem Samstag beheben kann. Normalerweise müsste das gesamte Motorrad zerlegt werden und ein neuer kompletter Rahmen beschafft werden. Unmöglich.

Der Pannenfahrer gab nicht auf, einige Telefonate folgten. Als ihm bekannt wurde, daß in 28 km Entfernung eine PKW- und Motorradwerkstatt geöffnet sei lotste er uns dorthin. Inzwischen war es 13:30 Uhr, um diese Zeit ist normalerweise Siesta angesagt. War es auch, und so wartete ich eine weitere Stunde auf dem Motorrad sitzend, bis die Mannschaft der Werkstatt ankam. Nochmals: Wohlgemerkt, es war Samstag Nachmittag!! Sofort versammelten sich 7 Angestellte von der Werkstatt, da sie eine Honda F6 noch nie gesehen hatten. Nach deren Begutachtung und der Besprechung der Möglichkeiten war klar: Sie werden es versuchen. Motorrad aufgehängt (ich saß übrigens schon mehr als 5 Stunden auf der Valky, da ich sie ja nicht abstellen konnte). Während des gesamten Werkstattaufenthalts musste ich sie weiter im Gleichgewicht halten, also wieder nichts mit absteigen.

Die Valky wurde vorne aufgebockt, aufgehängt, dann war freie Sicht auf die Unterseite. Mit hydraulischen Werkzeugen wurde der Querrahmen gerichtet, wieder in die richtige Position gebracht und verschweisst. Nach dem Ausrichten des Seitenständers war die Arbeit getan und ich konnte endlich absteigen (nach insgesamt 6 Stunden). Arbeitsaufwand 3 1/2 Stunden, 7 Mechaniker - ich dachte schon an eine gesalzene Rechnung (wäre mir in dieser Situation auch schon egal gewesen). Und jetzt kommt´s: Nein, € 80,00 haben sie verlangt.

Danke an die Mitarbeiter dieser Firma für die Meisterleistung. Ihr habt uns den Urlaub gerettet.

KLICK zur Vergrösserung auf die Fotos unten.

Abendstimmung in Zafferana Etnea - KLICK zum Vergrössern
Abendstimmung in Zafferana Etnea - KLICK zum Vergrössern

Nach der Reparatur sind wir ins Hotel zurückgefahren und haben unser Zimmer bezogen. Und weil ein Hoppala pro Tag anscheinend nicht genug ist gibt es heute noch ein zweites

H O P P A L A : Müde von den heutigen Ereignissen haut´s mich mit einem Seitenkoffer im Hotel über die Stiege. Schienbein aufgeschlagen, aber der Koffer war nach dem 5 Meter - Absturz unversehrt. So, das war der heutige Tag. Nur noch was zum Essen - und ab ins Bett.

Auf dem Ätna - KLICK zum Vergrössern
Auf dem Ätna - KLICK zum Vergrössern

8. Tag - Sonntag, 4. August 2013:

Zafferana Etnea nach Syrakus (130 km)

Gleich nach dem Frühstück fahren wir über die 16 km lange Strasse auf den Vulkan Ätna. Wir entschieden uns sehr früh abzufahren, da der heutige Tag der bisher heisseste werden soll. Um 10 Uhr am Ätna auf 1850 m Seehöhe angekommen hat es dort bereits 31°C. Man könnte sich von den Parkplätzen aus entweder mit einem Geländewagen oder mit der Kabinenbahn zum Krater bringen lassen. Dazu fehlte uns leider die Zeit, da wir ja in Siracusa (Syrakus) unser nächstes Zwischenziel gebucht haben. Wir besichtigen die erkalteten Lavaströme und die entstandenen Lavaformationen. Lavagestein und -Partikel werden bei Vulkanausbrüchen bis nach Catania geschleudert. Die vielfältige Vegetation am Berg hat uns begeistert. Atemberaubende Ausblicke entlang der Strasse, viele Kurven auf rauem Asphalt, ideale Voraussetzungen für MotorradfahrerInnen.

Nach dem längeren Aufenthalt am Ätna fahren wir weiter bis nach Siracusa.

Trotz vieler Zwischenstops mit Getränkezufuhr hätten wir wahrscheinlich keine größere Distanz mehr geschafft. Mittlerweilen ist es 16 Uhr geworden, das Thermometer zeigt 44°C. Da gibt´s nur eines: ein schattiges Platzerl am Pool, viel trinken (alkoholfreies!!), öfter schwimmen.

Vegetation auf Sizilien - KLICK zum Vergrössern
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9. Tag - Montag, 5. August 2013:

Syrakus

Der heutige Tag gehört der Entspannung. Es verspricht wieder ein heisser Tag zu werden. Bei herrlichem Wetter, vormittags bereits 40°C, belagern wir abwechselnd den Pool und die Poolbar. Grüsse in die Heimat via Tablet kommen nicht an, da heute das Internet wieder mal nicht funktioniert. In Sizilien gibt es noch große Probleme mit Internet und dem W-LAN in den Hotels. Aber wir haben ja Urlaub und wollen uns nicht mit technischen Problemen herumschlagen. Nach dem Vorbild der Sizilianer und der Italienermassen, die auch auf der Insel urlauben, halten auch wir nachmittags Siesta. Als Mitteleuropäer hält man die ungewohnten Temperaturen sonst nur schwer aus. Aber wir haben das im Griff und sind irgendwie stolz auf uns, daß wir bis heute noch keinen Sonnenbrand eingefangen haben (im Vergleich zu einer Tour auf Sardinien).

Ab 19:30 Uhr ist das Restaurant wieder geöffnet und wir lassen hier einen gemütlichen Tag ausklingen.

Pool am Mittelmeer - KLICK zum Vergrössern
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10. Tag - Dienstag, 6. August 2013:

Syrakus nach San Leone über Avola, Pachino, Licata (251 km)

Nach der gestrigen körperlichen Regeneration machen wir uns auf den Weg nach San Leone. Von Siracusa fahren wir auf der SP14 nach Avola und über die SP19 nach Pachina. Pachina ist der südlichste Teil Siziliens. In dieser, wie auch schon in anderen Gegenden zuvor, fährt man oft zwischen brennenden Feldern und Bäumen durch. Die extreme Hitze und die regenlose Zeit begünstigen die Selbstentzündung und der meist schwache Wind facht die Feuer noch zusätzlich an. Vollgas und durch - durch den beissenden Rauch. Auf der gesamten Strecke zeigt unser Thermometer wieder Temperaturen zwischen 38 und 42°C an. Ja, man muß wirklich verrückt sein um bei diesen Temperaturen Motorrad zu fahren (oder eben fanatisch). Aber macht Euch keine Sorgen, alle Ventilatoren unserer Lederkombis sind offen, die TFL Cool Ausstattung leistet gute Dienste und regelmäßige Eis- und Mineralwasserpausen machen die Hitze halbwegs erträglich.

Auf der Weiterfahrt an der Südküste Siziliens bläst uns heute der Scirocco um die Ohren. Der Scirocco ist ein heisser Wüstenwind aus Nordafrika. Mit der Fähre wären wir nach 150 km in Tunesien, aber das haben wir ja nicht vor.

Wir fahren weiter über Gela und Licata nach San Leone. Obwohl das ganze Land verbrannt und kahl ist gibt es hier jede Menge Leben: Alleen von riesigen Kakteen säumen die Strasse, Sträucher mit bunten Blüten in allen Farben lockern die sonst so eintönige Landschaft auf.

 

In Gela geniessen wir einen Riesen Eisbecher und stellen unser Motorrad schräg gegenüber der Eisdiele ab. Bis zu diesem Zeitpunkt war unser Bikerbär Giuseppe Albano Georgio immer auf dem Top Case mit dabei und wie sich´s gehört auch angeschnallt. Doch heute passiert´s:

 

H O P P A L A : In einem unbeobachteten Augenblick muß jemand die Fixierung gelöst haben und wollte (vielleicht) den Bären haben, wurde aber dabei gestört. Bei der Abfahrt von Gela saß er auf jeden Fall noch auf dem Top Case. Als wir in San Leone ankamen hat sich G.A.G. verabschiedet gehabt. Irgendwo auf der Strecke müssen wir ihn dann verloren haben. Vielleicht hat es ein hinter uns fahrender Dosentreiber bemerkt, denn ohne ersichtlichen Grund hupte einer öfter hinter uns. Ich schenkte dem aber keine Beachtung, denn gehupt wird in Italien und Sizilien sowieso wegen jeder Kleinigkeit - und wenn es nur aus Freundlichkeit gegenüber einem anderen Verkehrsteilnehmer ist.

Ich hoffe, daß G.A.G. in Sizilien einen guten Platz gefunden hat und die Reise bis hierher - so wie wir - genossen hat.

G.A.G. hat auch einen Zwillingsbruder, der mittlerweilen auf dem Weg zu uns nach Bad Ausee ist. Er wird den Platz in der Bikerbärensammlung einnehmen. Die weitere Reise werden wir jedoch nun ohne Giuseppe Albano Georgio antreten.

 

Im Hotel angekommen verspeisen wir gleich mal einen Früchteteller aus Melonen und Ananas. Ein Superpool direkt am Meer gelegen lädt zum Schwimmen ein. Weitere Aktivitäten - es ist ja erst 14:30 Uhr - ersparen wir uns heute wegen der Hitze. Nach dem Abendessen mischen wir uns unter´s Volk. Zum Einbruch der Dunkelheit beginnt es hier erst richtig lebhaft zu werden. Plötzlich tauchen jede Menge Nordafrikaner und Sizilianer mit ihren Ständen auf und bieten "originale" Waren aller Art an. Kilometerlang kann man vorbei an diesen Ständen den Strand entlang bummeln. Es ist schon ein besonderes Flair, das wir Mitteleuropäer in dieser Form nicht kennen.

 

Nächstes H O P P A L A : Plötzlich vermisse ich die Schlüsselkarte vom Hotel. Alles suchen hilft nichts, sie war weg. Wir eilen zum Hotel zurück und melden den Verlust. War für den Rezeptionist kein Problem, wir bekamen ohne lange Fragerei sofort eine Kopie. Aber wo könnte ich die Karte verloren haben? Wir machten uns wieder auf den Weg zu den Ständen und ich erinnere mich, daß ich bei einem Stand meine Bikertasche öffnete. Wir gehen zu diesem Stand - und was liegt da am Boden? Richtig, unsere KeyCard. Die hat wohl in der Zwischenzeit keiner beachtet. Wäre ein leichtes gewesen, inzwischen das Zimmer auszuräumen, der Hotelname und die Zimmernummer stand natürlich auf der Karte.

Bis Mitternacht schlendern wir noch durch das Getümmel der Menschenmassen und beenden damit einen schönen Tag.

Castellammare del Golfo - KLICK zum Vergrössern
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11. Tag - Mittwoch, 7. August 2013:

San Leone nach Castellammare Del Golfo, geplant über Marsala und Trapani (227 km)

Die heutige Etappe haben wir wegen der großen Hitze abgeändert. Ursprünglich wollten wir der Südküste entlang über Sciacca, Mazara del Vallo, Marsala, Trapani und Erice nach Castellammare del Golfo fahren. In Castelvetrano verließen wir die Südküste und bevorzugten die Fahrt durch das Landesinnere über Santa Ninta und Singnano.

Mit dieser Route waren wir auch etwas schneller und hatten nach dem Einchecken und einer kurzen Siesta noch Zeit, das kleine Städtchen Castellammare del Golfo zu Fuß zu erkunden. Die ersten Eindrücke waren gewaltig, man kann das nicht mit Worten beschreiben.

Nachdem wir hier 3 Nächte bleiben werden wir noch so einiges sehen.

 

<< Hier zwischendurch mal Fotos ansehen? Stiefeltour Italien - Sizilien 2013

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Castellammare del Golfo - KLICK zum Vergrössern
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12. Tag - Donnerstag, 8. August 2013:

Castellammare Del Golfo

Castellammare del Golfo ist ein kleines Städtchen, mit herrlichen Stränden am Tyrrhenischen Meer, einem Touristenhafen zum Ausleihen von Booten aller Art, vielen guten kleinen Restaurants.

Nachdem wir das Motorrad für die nächsten 2 Tage stehenlassen erkunden wir die Gegend zu Fuß. Heute wollten wir mit dem Schiff zu einer Grotte fahren, die hier überall beworben wird. Unsere Hotelrezeptionistin war uns bei der Buchung des Schiffes behilflich, konnte aber für die nächsten Tage keine freien Plätze bekommen. Bei einem Eisbecher beratschlagen wir das Programm für den heutigen Tag. Durch die ständige leichte Meeresbrise ist es hier etwas leichter die Hitze zu ertragen. Nachdem diese Stadt an einen Berg gebaut ist gibt es so gut wie keine ebenen Flächen. Das Schloß, von dem die Stadt ihren Namen hat, ist leicht erreichbar und liegt auf einer Anhöhe. Für den Vormittag reicht dies. Nachmittags ist - nicht nur hier - gähnende Leere. Man sieht keine Einheimischen, nur wenige Touristen sind in den Strassen oder an den Stränden. Alle halten Siesta. Klar, wir schließen uns dem an. Gegen Abend beginnt es wieder lebhaft zu werden. Der Touristenhafen füllt sich, die Gastgärten der Restaurants und Bars sind voll. Auch wir sind natürlich dabei und beobachten das Geschehen bei einigen kühlen Drinks.

Ich weiß nicht, was uns an diesen Menschenaufläufen so fasziniert, aber es ist ein besonderes Flair - und dem kann man sich nicht entziehen.

Grotten - KLICK zum Vergrössern
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13. Tag - Freitag, 9. August 2013:

Castellammare Del Golfo

Nachdem wir vorgestern die Anreiseroute nach Castellammare del Golfo abgeändert hatten wollten wir heute das "versäumte" nachholen und den Liebesberg in Erice, die Salzgärten in Trapani besuchen. Auch die Weinstadt Marsala stand ja noch auf dem Programm. Das alles ist jedoch der großen Hitze zum Opfer gefallen und wir bevorzugten einen weiteren motorradfreien Tag.

Wir charterten ein Schnellboot, das man hier kostengünstig für einen halben oder ganzen Tag mieten kann. Ein halber Tag ist genug, um kilometerlange Strände ud Buchten abzufahren. Wir besuchten mit diesem Schnellboot auch die Grotten, von denen ich gestern schrieb. Gigantisch, was die Natur alles zu bieten hat (unbedingt auch die Fotos ansehen). Von 10 bis 14 Uhr waren wir mit dem Boot unterwegs.

Am späteren Nachmittag, als wieder Leben in die Stadt kam, besuchten wir noch das Zentrum. Hier gibt es keine einzige Strasse oder Gasse, die eben verläuft, da die gesamte Stadt - wie schon geschrieben - an einem kleinen Berg liegt. Auf der einen Seite der Berg, auf der anderen das Meer, inzwischen eingebettet dieses Städtchen. Die vielen kleinen Geschäfte öffnen nach und nach, einheitliche Öffnungszeiten gibt es nicht. Wir suchen in einer Parfümerie (bei uns würde man es eine Drogerie nennen) nach einem Sonnenschutzmittel. Die Auswahl war sehr bescheiden: 2 Marken, von jeder standen nur 2 oder 3 Produkte im Regal. Hier muss man halt kaufen, was man bekommt. Wir steigerten den Umsatz noch zusätzlich mit dem Kauf eines Fächers, den wir zwar nicht brauchten, aber als Reiseerinnerung haben wollten.

Hier in diesen Gassen und Strassen kann man sich stundenlang aufhalten, es gibt immer was zu entdecken. Allein das hektische Treiben in den engen Strassen, die halsbrecherischen Fahrten der Vespa- und sonstigen Kleinmotorradfahrer, die jeden Zentimeter Asphalt ausnützen, um sich links oder rechts mit entsprechendem Tempo an Autokolonnen vorbeizuschlängeln.

 

Der Abend am Touristenhafen war wieder geprägt von Menschenmassen, die sich in die vielen Lokale zwängten. Auch wir haben einen Platz in "unserer" Bar Vogue ergattert und beobachteten das Treiben bei Cocktails: Christine nahm "Sex on Vogue" (das ist wirklich ein Cocktail, nicht was ihr glaubt), ich bestellte "Hemmingway Special" (irgendwas mit Wodka, ich weiß es nicht mehr genau - wahrscheinlich war es einer zu viel).

Es war ein netter Abend, an dem man sich mangels Italienischkenntnissen "mit Händen und Füssen" mit einheimischen und Touristen unterhält. Irgendwie kann man sich immer wieder verständigen. Ob dabei alles so rübergekommen ist wie es gemeint war ist fraglich. Gelacht haben wir viel ...

Küste am Tyrrhenischen Meer - KLICK zum Vergrössern
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14. Tag - Sonntag, 10. August 2013:

Castellammare del Golfo nach Milazzo über Palermo, Termini Imerese, Piraino (266 km)

Schön langsam heisst es von Sizilien Abschied nehmen und wir starten zur letzten Etappe auf der Insel.

In der Nacht hat es in Castellammare del Golfo kurz geregnet, die Strasse am Hafen war am Morgen noch etwas feucht. Durch die regenlose Zeit im Sommer und dem Gummiabrieb der Reifen verwandelte sich die Fahrbahn in eine schmierseifenartige Oberfläche. In kurzer Zeit war die Strasse wieder trocken und wir verließen die Stadt über die A29 / E90 entlang der Mittelmeerküste in Richtung Palermo.

Hier erwischte uns ein ordentlicher Wolkenbruch aus heiterem Himmel, ohne irgendwelcher "Vorwarnung". Nachdem wir kein Regengewand mitführten sahen wir uns schon glitschnaß bis auf die Haut. Aber unsere Lederkombis hielten den 15 Minuten - Schauer halbwegs dicht. So schnell, wie der Regen aufzog, so schnell wurde es wieder sonnig. Das war die einzige Bekanntschaft mit Regen auf unserer gesamten Tour.

Von Palermo fuhren wir weiter auf der A29 über Termini Imerese und Piraino nach Milazzo, wo wir unsere letzte Nacht auf Sizilien verbrachten. Trotz der Fahrt auf der Autostrada war dies eine sehr abwechslungsreiche Etappe: Berge, Meer, viele Tunnels, üppige Vegetation - es gab viel zu sehen.

Sizilien - Messina Hafen
Sizilien - Messina Hafen

15. Tag - Samstag, 11. August 2013:

Milazzo nach Messina zur Fähre (35 km)

Von Milazzo nach Messina ist es nicht weit, der Weg zum Hafen ist schon vor Messina bestens beschildert (einfach den Schildern "Traghetti Villa San Giovanni" folgen). Wie auch schon am 7. Tag (Überfahrt von Italien nach Sizilien) beschrieben verkehren die Fähren in sehr kurzen Abständen. Nachdem wir bereits das Rückfahrtticket bei der Anreise gelöst haben ersparen wir uns das Anstellen beim Schalter. Trotz des enormen Andrangs geht die Abwicklung erstaunlich schnell vor sich und es dauert keine 20 Minuten und Du bist mit Deinem Fahrzeug auf der Fähre. Ist eine Fähre voll, steht schon die nächste bereit.

An dieser Stelle nochmals der Hinweis, damit nicht anderen Motorradfahrern dasselbe Hoppala wie mir passiert:

Fahre langsam über die Laderampe, damit Dein Motorrad mit wenig Bodenfreiheit nicht aufsitzt.

Auf der Fähre - KLICK zum Vergrössern
Auf der Fähre - KLICK zum Vergrössern

Überfahrt mit der Fähre von Messina (Sizilien) nach Villa San Giovanni (Kalabrien), Weiterfahrt nach Diamante (224 km)

Die Fährenüberfahrt von Sizilien nach Italien verlief sehr rasch, schnell waren wir nach der Durchfahrt von Villa San Giovanni wieder auf der SS.

Großteils entlang der Küste am Tyrrhenischen Meer fahren wir auch durch kleine Orte wie Salice, San Vincenzo la Costa, Pietrapiana, Bonifati). Die meisten Orte sind Touristenhochburgen, in denen ein Treiben wie in einem Ameisenhaufen herrscht. Für die Ortsdurchfahrten braucht man viel Zeit und Geduld, da die meisten Strassen hoffnungslos verstopft sind. Als Motorradfahrer hat man es ein bisschen leichter und man kann sich an den Autoschlangen vorbeischlängeln. Bringt aber nicht viel Zeit, denn die nächste Ampel ist sicher wieder auf rot geschaltet und Du stehst auf flimmerndem Asphalt genauso wie die anderen auch.

Irgendwann geht´s dann doch wieder weiter und die reizvolle Gegend entlohnt dich mit abwechslungsreichen Aussichten, einmal auf´s Meer, dann wieder auf Hügeln und niedrige Berge.

In Diamante angekommen suchen wir uns den Weg zum Hotel, da das Navi die uns bekannte Adresse nicht an Board hatte. Wir glaubten schon nicht mehr daran, auf der eben befahrenen Strasse - bereits wesentlich höher als das Meer gelegen - noch ein Hotel vorzufinden. Doch der Schein trügt. Nach 5 km auf der Via Panoramica erreichten wir unser gebuchtes Hotel - und hatten wieder einen tollen Ausblick auf das Meer, mit Sonnenuntergang gratis. Tolle Stimmung.

Im Restaurant hatten wir diesmal Pech. Erst wurde die notwendige Tischreservierung vergessen, damit man überhaupt einen Platz zum Abendessen bekommt. Dann wurde zwei Mal das falsche serviert, der Hauptgang war lauwarm bis kalt. Der bestellte Wein ohne Etikett, dafür hing an der Flasche ein Zettel mit der Zimmernummer, der Inhalt erinnert uns an die Flüssigkeit in einem Gurkerlglas.

Dafür hatten wir eine riesige eigene Terasse mit dem tollen Meeresblick.

Blick a.d.Hotelzimmer in Diamante - KLICK zum Vergrössern
Blick a.d.Hotelzimmer in Diamante - KLICK zum Vergrössern

16. Tag - Montag, 12. August 2013:

Diamante nach Salerno (190 km)

Entlang der Küstenstrasse am Tyrrhenischen Meer fuhren wir über San Nicola Arcella und La Marinella, auch hier wieder Touristenmassen bereits am frühen Vormittag.

Ab La Marinella fuhren wir bis Pontecagno durch das Landesinnere auf sehr gut ausgebauten Landstrassen, zwischen Hügeln und Bergen.

Die Strecke ist mit 190 km eine der kürzesten auf der Heimreise, und so haben wir nach der Ankunft in Salerno noch genügend Zeit für einen Spaziergang. Dieser Tag hat ansonsten nichts aufregendes gebracht und man merkt schon, daß die ständige Hitze ziemlich an unserer Substanz nagt. Obwohl es hier im Vergleich zu Sizilien etwas "kühler" ist, zeigt das Thermometer nachmittags noch immer 36°C. Wir nützen eine Stunde zur Reaktivierung unserer Kräfte.

Valky und die Polizia - KLICK zum Vergrössern
Valky und die Polizia - KLICK zum Vergrössern

Die Polizei interessiert sich für uns ...

H O P P A L A, kein H O P P A L A. Über Geschwindigkeitsbeschränkungen und tatsächlich gefahrene Geschwindigkeiten habe ich in diesem Bericht bereits geschrieben.

Auf der Autostrade in Italien gilt als Höchstgeschwindigkeit 130 km/h. Die Strasse ist leer, nur 2 PKWs fahren vor uns - mit gut 150 km/h, wir hinten dran. Eine Weile lang konstantes Tempo, bis auf einmal aus dem Nichts die Polizia von hinten auftaucht, wahrscheinlich mit 170 km/h.

Wir waren kurz vor einer Tankstelle, als sich der blaue Alfa Romeo mit der Sonderausstattung auf dem Dach vor uns und den beiden Autos einreiht, das Blaulicht einschaltet und ein Beamter die rote Kelle aus dem rechten Seitenfenster rausstreckt.

Jetzt hat´s uns erwischt. Warum aber nicht auch die beiden vor uns fahrenden Autos? Die waren ja genauso schnell.

Wir werden langsamer und unmißverständlich gibt uns die Polizia zu verstehen, hinter ihnen zur Tankstelle zu fahren.

Wir nehmen den Helm ab und erwarten eine Amtshandlung mit Strafe wegen Übertretung der zulässigen Geschwindigkeit.

Weit gefehlt: In gebrochenem Englisch interessieren sich die beiden Beamten nur für meine Honda F6C, sowas haben sie noch nie gesehen. Sie entdecken natürlich auch die (illegale) Sirene und schmunzeln dabei. Irgendwie ist ein bisschen Stolz in mir aufgestiegen und die "Amtshandlung" mit mehr oder weniger unverständlicher Fachsimpelei nahm ihren 10-minütigen Lauf.

Zum Abschluß wünschten sie uns noch eine gute Fahrt und verschwanden im Gebäude der Tankstelle.

Fischereihafen Fiumicino - KLICK zum Vergrössern
Fischereihafen Fiumicino - KLICK zum Vergrössern

17. Tag - Dienstag, 13. August 2013:

Salerno nach Fiumicino über Neapel, Rom (306 km)

Nach einem für italienische Verhältnisse überdurchschnittlich guten Frühstück starten wir über die Autostrada A1. Wie die meisten italienischen Autobahnen ist auch diese sehr gut ausgebaut, der Verkehr war für einen Dienstag sehr schwach. Wir ziehen an Neapel vorbei, über Santa Maria, Cecano und Colleferro. Die Mautstation bei Rom stoppt unsere rasante Fahrt.

Ein Abstecher nach Neapel oder Rom geht sich nicht aus, das wäre zu zeitaufwändig.

Bis nach Fiumicino sind es von Rom nur mehr ca. 30 km. Angekommen in dieser Stadt beziehen wir unser Hotelzimmer, das direkt am Fischereihafen liegt. Bei unserer Ankunft war hier alles sehr ruhig. Klar, es war ja auch nachmittags, da ist keine(r) unterwegs.

Als wir gegen 16:30 Uhr in den benachbarten Fischereihafen gingen können wir gerade ankommende Fischkutter beim Anlegen beobachten. Innerhalb kürzester Zeit war der Hafen voll mit Menschen, um Fische, Rochen, Krabben und sonstige Meeresfrüchte zu erstehen.

Der Geruch von Fisch, Salzwasser und lecken ölverschmierten Maschinenteilen der Kutter vermischt sich zu einer nicht nasenfreundlichen Substanz. Nach 1 Stunde ist das Schauspiel vorbei und die Fischer sortieren ihre Fangnetze.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit ist auch hier am Fischereihafen wieder die Hölle los. Unzählige Stände beidseitig der Strasse wurden aufgebaut, die Marktfahrer bieten alle möglichen Waren zum Verkauf an. Das geht bis weit in die Nacht. In den vielen Restaurants und Bars herrscht ebenfalls Hochbetrieb.

 

Villa Stanley Sesto Fiorentino - KLICK zum Vergrössern
Villa Stanley Sesto Fiorentino - KLICK zum Vergrössern

18. Tag - Mittwoch, 14. August 2013:

Fiumicino nach Sesto Fiorentino über Orvieto, Montevarchi (327 km)

Die Abfahrt von Fiumicino war bei strahlendem Sonnenschein. Über die Autostrada, vorbei an Mentana, Orvieto, Montevarchi und Scandicci kommen wir nach 5 stündiger Fahrt in Sesto Fiorentino an.

Unser Hotel aus den 14. Jahrhundert liegt in einem riesigen Areal mit viel Baumbestand, ein eher kleiner Pool gehört dazu. Unter dem Motto "Je kleiner der Pool desto höher die Preise" wird hier für einen Aperol Sprizzz € 7,00 verlangt. Ein "guter" Preis, wie ich finde, aber daran soll´s nicht scheitern.

Zum heutigen Tag gibt es sonst nicht viel zu berichten, außer daß wir im Restaurant des Hotel Villa Stanley ausgesprochen gut gespeist haben.

Am Gardasee - KLICK zum Vergrössern
Am Gardasee - KLICK zum Vergrössern

19. Tag - Donnerstag, 15. August 2013:

Sesto Fiorentino nach Rivoltella über  Bologna, Modena, Carpi, Mantua, Verona (246 km)

Wie die beiden Tage zuvor fahren wir auch heute über die Autostrada, da die Entfernungen pro Tag sonst nicht zu schaffen sind.

Die Autostrada führt aber durch reizvolle Landschaften mit vielen kleinen Burgen auf den umliegenden Anhöhen.

Nach der Ausfahrt von einer der vielen Tunnels kam plötzlich ein Temperatursturz und das Thermometer an meinem Lenker zeigte von ursprünglich 31°C nur mehr 20°C an. Das war der Zeitpunkt an dem wir wieder unsere Handschuhe anzogen und die Ventilatoren an unseren Jacken schlossen. Der Himmel hat sich zusehends verfinstert. Nach einer halben Stunde hat uns die Sonne wieder aufgewärmt und verfolgte uns bis nach Rivoltella / Desenzano am Gardasee.

Die Ausfahrt Sirmione war, wie man das aus anderen Berichten kennt, natürlich hoffnungslos verstopft und der Stau bereits vor der Ausfahrt mindestens 6 km lang. "Schuld" daran ist die Mautstelle. Aber für eine Valky gibt es kein Hindernis und wir fahren am Stau vorbei, um uns kurz vor der Mautstelle wieder einzuordnen. Danke an die Autofahrer, die uns neidisch in die Auspuffrohre blickten und uns unfreiwillig vorbeiziehen liessen. Bis zum Ziel in Rivoltella war es dann doch noch ständiger Stop-and-Go - Verkehr, da die Touristen anscheinend mit ihren Autos herumfahren müssen anstatt mal ein paar Meter zu Fuß zu gehen.

Über die Orte am Gardasee brauche ich nicht viel zu berichten, das kennt man aus unzähligen Foren.

Vor dem Hotel in Rum - KLICK zum Vergrössern
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20. Tag - Freitag, 16. August 2013:

Rivoltella nach Rum bei Innsbruck entlang des Gardasees, über Trient, Bozen, Brenner Passstrasse (281 km)

Um 9 Uhr starteten wir zur vorletzten Etappe. Rivoltella verließen wir über Desenzano, Saló und die vielen kleinen, aber überlaufenen Orte entlang der Ostseite des Lagos. Jeder, der diese Strecke schon einmal gefahren ist weiß, wie viel Zeit man hier in den Sommermonaten hier auf der Straße für ein paar Kilometer investieren muß. Die schönen Aussichten auf den endlos scheinenden See, das Treiben in den Orten, die Landschaft - all das kann man als Motorradfahrer besser in sich aufnehmen als in einer Blechkarosse zu sitzen. Ich denke da auch an die vielen Dosentreiber und ihre Wohnwagengespanne, ausgestattet mit gelben Kennzeichen, die oft zu viel Respekt vor den Tunnelwänden haben und deshalb mitten in der Röhre plötzlich vor dem Gegenverkehr stehen. Dann geht gar nichts mehr. Tunnels entlang des Gardasees gibt es sehr viele, also Zeit einplanen.

Nun lassen wir den Gardasee hinter uns und biegen Richtung Trient ab, um auf der Autostrada über Bolzano (Bozen) bis Sterzing zu fahren. Hier wird der Verkehr auf der Autobahn erstmals wesentlich stärker, wahrscheinlich ist es auch der Urlauber Rückreiseverkehr.

Ab der Mautstelle Sterzing biegen wir auf die Brenner Paßstrasse ab und fahren über die Ortschaften Brenner, Steinach und Matrei hinunter nach Innsbruck. Etwas ausserhalb von Innsbruck, in Rum, haben wir die letzte Nacht unserer Tour gebucht.

 

Wie sich´s gehört haben wir hier beim Abendessen auf unsere schöne, vor allem aber unfallfreie "Stiefeltour 2013 Italien / Sizilien" angestoßen.

21. Tag - Samstag, 17. August 2013:

Rum bei Innsbruck nach Bad Aussee über das große Deutsche Eck, Rosenheim, Salzburg Walserberg (261 km)

Der Wetterbericht meldet für heute Regenschauer aus dem Westen kommend, also brechen wir um 08:30 Uhr die Heimreise nach Bad Aussee an, um dem Regen davonzufahren.

Um schneller in der Heimat zu sein haben wir die Inntalautobahn über das große Deutsche Eck, Rosenheim, Salzburg Walserberg gewählt. Vom Regen war keine Spur, ganz im Gegenteil, es wurde nochmals so richtig warm. Zwei Monsterstaus nach Rosenheim und vor der Staatsgrenze haben uns ca. 1 Stunde gekostet, da hätten wir auch über das kleine Deutsche Eck und Lofer fahren können.

Aber egal, ich freu´ mich, daß wir wieder gut zu Hause angekommen sind.

Zum Abschluß - 40 km vor der Heimat - noch ein kleines

H O P P A L A beim Tanken: Während ich absteigen wollte kippt mir die Valky auf die rechte Seite. Mit dem Schutzbügel und der rechten vorderen Fußraste bleibt sie am Betonpodest hängen, auf dem die Zapfsäulen stehen. Aus eigener Kraft hätte ich sie nicht mehr alleine aufstellen können, ein anwesender Autofahrer hat mir dabei geholfen. Ist nichts passiert, aber irgendwie war es mir peinlich. Na ja, man merkt´s, daß die Kräfte nach 3 Wochen Tour doch nachlassen.

Jetzt geht´s an´s Koffer ausräumen - und noch einen Tag Urlaub vom Urlaub anhängen.

Reiseaufzeichnungen während der Tour - KLICK zum Vergrössern
Reiseaufzeichnungen während der Tour - KLICK zum Vergrössern

Sonntag, 18. August 2013:

Christine hat heute Waschtag unserer Bikerklamotten.

Valky putzen wäre nach der Tour dringend notwendig, habe aber irgendwie "keinen Geist" dazu.

Statt dessen beginne ich mit dem Schreiben dieses Reiseberichtes. Die Aufzeichnungen über die Reise, Erlebnisse, Begebenheiten habe ich täglich während der Tour gemacht.

 

Ich hoffe, daß Ihr viel Spaß beim Lesen meines Berichtes hattet. Wenn jemand weitere Informationen über die Reise haben möchte einfach melden, hier: Kontaktformular.

 

Und jetzt schaut Euch auch noch die Bilder an. Wir haben 5120 Fotos geschossen, eine Auswahl davon zeige ich Euch hier.

<< Hier geht´s auch zu den Fotos der Stiefeltour Italien - Sizilien 2013

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